Red-Gemeinschaft

MichasMeinung (MM)

Von einem, der auszog, Informationen zu bekommen

Der Auftrag bestand (unter anderem) darin, zu eruieren, wie weit bei deutschen Provider die Umstellung auf IPv6 vorangeschritten ist. Nichts einfacher als das (dachte ich in meiner üblichen Unbekümmertheit), vier knackige Fragen zusammenstellen, Pressestellen von den Providern heraussuchen, zu denen wir – die Redaktionsgemeinschaft — noch keinen persönlichen Kontakt haben, E-Mail hinschicken und wieder eine erfolgreiche Recherche durchgeführt….

Ich „stolperte“ aber wieder mal über das, was ich die „digitale Wirklichkeit in Deutschland“ (vulgo: Neuland) nenne: So gibt es doch durchaus Internet-Provider, die auf ihrer Web-Seite keinen Ansprechpartner für die Presse haben, Eine Suche in der Pressebox nach der letzten Pressemeldung des Providers und ja, da ist eine E-Mail-Adresse. Komisch, sollte so etwas nicht auf der Web-Seite eines professionellen Anbieters zu finden sein?

Aber auch bei den Providern, die eine Pressestelle (teilweise mit Bildern der Menschen dort — allerdings ohne deren E-Mail-Adressen, nur mit  einer globalen presse@-Adresse) lokalisierbar auf ihrer Web-Seite haben, befleißigen sich fast die Hälfte eines Kommunikationsstils, für den ich ebenfalls einen Namen gefunden habe: „Black Hole Communication(BHC): Die E-Mail „bounced“ zwar nicht, so dass wohl ein Konto hinter der Adresse steckt — aber eine Antwort bekommen wir auch nicht, Nicht einmal eine kurze Bestätigung, dass die Mail angekommen ist.

Nun sind wir zwei (Bär/Schlede) sicher nicht der Spiegel oder Wirtschaftswoche, aber gerade diese Recherche haben für einen größeren Verlag aus  dem IT-Umfeld (was natürlich auch in der Mail stand) durchgeführt. Wobei das IMHO nicht die Hauptursache für dieses BHC-Verhalten ist. So bietet eine andere IT-Firma bietet auf Ihrer Web-Seite großartig an, dass man doch bitte einen Termin auf der it-sa mit ihnen ausmachen könne — auch dort wieder der BHC-Effekt (wir werden diese Firma definitiv NICHT besuchen).

Nach wie vor ist es leider so, dass der Endkunde (oder in diesem Fall Schreiberling), der sich gerade an eine größere Firma in Deutschland per E-Mail wendet, häufig keine, nur eine automatische („Wir nehmen ihr Anliegen ernst“) oder eine sehr, sehr verspätete Antwort bekommt.

Und da reden die Marketingstrategen von Social Media für die Kundenkommunikation? Ich gebe allen nach wie vor den Rat (und halte es selbst dann auch so), bei deutschen Firmen im Zweifelsfall anzurufen — wenn Sie dann den „First Level“-Kontakt oder das automatische Kundenabwehrsystem („Drücken Sie die „1“, wenn Sie absolut keine Lust mehr auf unsere Firma haben“) überwunden haben, können Sie zumeist direkt mit einem Menschen reden und vielleicht an die gewünschten Informationen kommen.

Es ist leider Tatsache: All das Gerede vom „Digital Lifestyle“ und so weiter scheitert allzu häufig an der bundesdeutschen Firmenwirklichkeit. Von Behörden rede ich schon gar nicht mehr… Oder bin ich einfach nur schrecklich altmodisch, wenn ich auf eine höfliche Anfrage/Bitte wenigstens eine Antwort erwarte? Auch bei großen IT-Firmen?? Auch über das Internet — sogar per E-Mail??

Ich weiß, ich weiß tl;dr, trotzdem wundere ich mich…

Micha

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